12.03.2017

Bericht von der Tagung des Fachbeirates im September 2016

Das Europäische Telemetrie Netzwerk für Wasserlebewesen –

Dr. Jan Reubens Universität Gent/Belgien

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Frischer Wind aus Belgien!

Jan Reubens von der Universität Gent stellte das European Aquatic Animal Telemetry Network (EAATN) vor.

Der Leitgedanke des Fachbeiratstreffens in Siegburg war der grenzüberschreitende Austausch von Informationen zur Fischtelemetrie. Zur großen Überraschung von Teilnehmern und Veranstaltern wurde dieses Konzept in Belgien bereits in großen Teilen in die Tat umgesetzt. Dieser Ansatz ist für Wanderfische so wichtig, weil zumindest von den diadromen Wanderfischen (Wechsel zwischen Süßwasser und Salzwasser) bekannt ist, dass sie die eigentlichen Kerngebiete von Fischmonitorings auf ihren Wanderungen verlassen und zu ihren weiteren Wanderungen in der Regel kaum Daten vorliegen. Der Ansatz eines Europäischen Verbundes von Telemetriedaten wäre ein Quantensprung bei der Klärung von Fragen nach dem Wanderverhalten individueller Fische und der Faktoren, die darauf Einfluss nehmen.

Jan Reubens berichtete, dass man im belgischen Teil der Nordsee einen Verbund von Sendern installiert hat, der dafür gedacht ist, die Wanderungen von Dorschen zu verfolgen. Die Bestandsentwicklung der Dorschpopulation sollte auf diese Weise untersucht werden. Dabei stellte sich interessanterweise heraus, dass sich Dorsche rund um Offshore-Windkraftanlagen versammeln. Noch überraschender war die wissenschaftliche Erkenntnis, dass sich die Dorsche im Winter im Ästuar der Schelde aufhalten. Eine Tatsache, die laut Jan Reubens allerdings in Anglerkreisen schon länger bekannt war…

Im Salz- und Süßwasser in und um Belgien wurden 196 (!) akustische Horchstationen (engl. Acoustic Listening Stations –ALS) installiert, mit denen mittlerweile eine Vielzahl von Fischarten bei ihren Wanderbewegungen beobachtet werden können. Das EAATN kommuniziert außerdem mit der aus Kanada stammenden globalen Plattform „Ocean Tracking Network (OTN)“.

Derzeit basiert das Netzwerk auf Daten, die mit akustischer Telemetrie der Firma Vemco, Kanada, erzeugt wurden. Jan Reubens hob hervor, dass das Netzwerk jedoch offen sei für jegliche Telemetriedaten, auch aus anderen Projekten.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Aal beispielsweise, konnte vom niederländischen Teil des Dollarts (Emsmündung) bis in die Scheldemündung in Belgien (ca. 400 km) verfolgt werden. Ohne Vernetzung von Telemetrieprojekten wäre dieser Wanderweg, wie wohl die meisten anderen, verborgen geblieben.

Dieser Ansatz bietet vielen Wanderfischprojekten eine gute Möglichkeit, zusätzliche Informationen über die Wanderrouten der Fische, besonders außerhalb der jeweiligen Projektgebiete, zu erhalten.

Projekte, die an einer Kooperation mit dem EAATN interessiert sind, können mit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! direkt Kontakt aufnehmen.

Der komplette Vortrag ist hier zufinden.

Die Übersicht über alle Präsentationen des Fachbeirates finden sie hier.