1.Juli 2017

Orri Vigfússon

Orri Vigfússon, Gründer und Vorsitzender des North Atlantic Salmon Fund (NASF), ist tot.

Der große Pate des Atlantischen Lachses ist von uns gegangen.

Orri’s Vision und Ziel war es, die Bestände des Atlantischen Lachses, wieder zu Ihren historischen Dimensionen zu bringen.

Seit 1989 verfolgte er dieses Ziel durch Aufkauf von Netzfangquoten im Nordatlantik. Diesen kommerziellen Ansatz vertrat er immer als Kernelement seiner Arbeit. Damit konnte die Lebensgrundlage der Fischer erhalten werden und die Bestände des Atlantischen Lachses geschont werden, um langfristig positive Wirkungen auf Fischerei und Tourismus auch strukturschwacher Regionen zu ermöglichen.

Neben seiner Tätigkeit im marinen Umfeld, baute Orri gezielt Partnerorganisationen in den Ländern auf, in denen die Laichhabitate des Atlantischen Lachses liegen. Rund um den Nordatlantik gibt es lokale Partner des NASF. In Deutschland ist dies der Verein „Wanderfische ohne Grenzen e.V.“

Viel zu früh hat er uns nun verlassen. Wir werden weiter in seinem Sinne für die Wiederansiedelung des Atlantischen Lachses in unseren Flüssen kämpfen.

 

Ein Nachruf von Rudy van Dujinhoven, den wir hier veröffentlichen, gibt einen Einblick in das Leben und die Arbeit von Orri Vigfússon:

Orri Vigfússon hat erfolgreich internationale Anstrengungen zum Schutz und zum Wiederaufbau der Bestände des Atlantischen Lachses initiiert.

Orri Vigfússon war ein isländischer Unternehmer und Umweltschützer. Sein Ziel war, die Bestände der Atlantischen Lachses in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet auf beiden Seiten des Nordatlantiks wieder aufzubauen.

Das Time Magazine nannte ihn im Jahre 2004 einen”Europäischen Helden”. 2007 bekam er den “Goldman Environmental Prize” für seine Arbeit zur Rettung von gefährdeten Arten. 2008 wurde er zum “Senior Global Fellow der Ashoka Felloship” gewählt. In den vergangenen Jahren leitete Orri die Entwicklung nachhaltigen Lachsangelns in den Flüssen von Vopnafjörður, Island. Orri Vigfússon starb am 1. Juli 2017.

Bevor sich Orri mit dem Schutz von Lachsen beschäftigte, sammelte er breite Erfahrung im Geschäftsleben, prüfte und schärfte seinen Unternehmergeist.

Er studierte “international business” in London und brachte nach seiner Rückkehr nach Island die erste Toyota Importfirma des Landes auf den Weg, was ihm Erfahrung im internationalen Handel einbrachte. Seine nächste Tätigkeit fand er bei der “Federation of Icelandic Manufacturers”, wo er Produkte und Märkte suchte, die das Kunsthandwerk im ganzen Land unterstützten.

Orri verbrachte mehrere Jahre damit, Gemeinden dabei zu helfen, kleine Unternehmen aufzubauen, die Pullis und ähnliches produzierten um die große Nachfrage in USA und Europa zu befriedigen.

1966 machte Orri seine ersten Erfahrungen mit dem Atlantischen Lachs. Seine Frau, die ebenfass aus einer kleinen Stadt im nördlichen Island stammte, brachte Orri zum Angeln an den Laxa River mit seinem berühmten Lachsaufstieg. Bereits bei seinen ersten Angeltouren war Orri begeistert. Er fischte weiter und wurde 1984 zum Vorsitzenden des Laxa Fishing Clubs gewählt. Auf dieser Position konnte er den Rückgang der Zahl, der in die Flüsse aufsteigenden Lachse gut erkennen.

1989 zum fünfzigsten Jubiläum des Clubs startete Orri eine Kampagne zum Stopp der “Mixed Stock Fisheries” (Der Befischung von Lachsen, die aus verschiedenen Flüssen stammen) vor der isländischen Küste. Die Idee war, sich aus Gründen des Artenschutzes in das isländische System handelbarer Fischereiquoten einzukaufen.

Im Glauben, die Fische könnten nun ungestört aufwachsen, versah der Club Fische mit einer Markierung ihres Ursprungsflusses, aber keiner kehrte zurück. Stattdessen kamen die Markierungen zurück – von Fischfabriken aus Grönland und den Faröer Inseln.

Orri erkannte, dass Lachsschutz nicht in einem einzelnen Land funktionieren konnte und gründete den North Atlantic Salmon Fund, der nach denselben Grundprinzipien auf internationaler Ebene arbeitet.

Orri wurde klar, dass es eines Programms auf der Ebene der Bürger bedurfte um die Kräfte des Marktes für und nicht gegen den Schutz der Lachse wirken zu lassen. Orri schlug vor, dass Gruppen von Bürgern im gesamten nordatlantischen Raum den Regierungen und der Fischereiindustrie einen Plan unterbreiten sollten, der sowohl die schwindenden Lachsbestände, als auch die notleidenden Fischer, die von ihnen abhängen, retten könnte: Aufkauf von Fischereirechten, Stabilisierung der Lachsbestände, Etablierung des Lachses als eine wertvolle Ressource, deren Schutz Einkommen für die ländlichen Regionen in ganz Europa und Nordamerika bringt.

Zu der Zeit hat sich Orri beim lokalen Schutz der Lachse am Big Laxa River im Norden Islands engagiert.

Es wurde ihm klar, dass, egal wie effizient die lokalen Maßnahmen waren, sie den Fortbestand des Lachses nicht sicherstellen konnten. Selbst wenn sie in den Flüssen gut geschützt werden, wurden sie oft auf ihrem Weg ins offene Meer gefangen.

Orri wusste, dass Menschen in ganz Europa, Skandinavien und Nordamerika auch versuchten, den Wildlachs zu schützen und zu retten, aber nichts schien wirklich zu funktionieren.

Das war ein wichtiger Moment. Die Lachsindustrie war dabei, sich zu verändern. Seit Jahrzehnten war der Fangertrag von Lachsen am Schwinden. Große Fischfarmen traten als Ersatzlieferanten für den Bedarf auf. Die verbleibenden kleinen und mittleren Fischereien befanden sich in der Klemme zwischen einem schwindenden Fischbestand und dem harten Wettbewerb ihrer großen Konkurrenten.

Orri gründete den NASF, um ein Aktionsprogramm umzusetzen, das mit dem kommerziellen Aufkauf von Rechten für Driftnetze, Zugnetze und fast jeglicher küstennaher Fischerei im gesamten Nordatlantik.

Der NASF schafft eine gemeinsame Agenda für Flussschützer, Fischereivereine, Grundbesitzer an Flüssen und Wissenschaftlern. Zusammen mit dem NASF sammeln sie Spenden und versuchen die Regierungen zur politischen und finanziellen Unterstützung zur Erhaltung der Lachse zu bewegen.

Der NASF hat Partner in 15 Ländern, die die finanziellen, legalen und politischen Aspekte des Aufkaufs unterstützen. Orri hat Aufkäufe für Lachsfangrechte in allen Ländern vermittelt.

Den Lachs im offenen Ozean zu schützen, nimmt den Druck von der Fischart, ist jedoch nur der erste Schritt in Orris Vision. Der nächste Schritt ist, ökonomische lokale Anreize zu schaffen, die den Lachs zu einer lukrativen natürliche Ressource zu machen, wie beispielsweise Catch-and-release Angeln, entsprechende touristische Angebote und Vermarktung von Lachsprodukten. Für Orri ist der Erhalt des Lachses eine treibende Kraft für die Verbesserung der ökonomischen Situation von ländlichen Gemeinden.