Atlantischer Lachs aus der Stepenitz

 

10.11.2017  Stepenitz / Brandenburg

Nebenfluss der Elbe mit Rekordaufstieg von Lachsen und Meerforellen

Mitte November durfte ich beim Elektrofischen an der Stepenitz in Perleberg dabei sein.

      Wehr in Perleberg

Dabei sollten Rückkehrer von Lachsen und Meerforellen zur künstlichen Vermehrung gefangen werden. Die Fische konzentrieren sich dabei an einem Wehr in Perleberg, das bisher nicht über eine Fischwanderhilfe verfügt und von den Fischen nicht überwunden werden kann.

An diesem Tag konnten 13 Lachse und 16 Meerforellen gefangen werden, alles prächtige Exemplare. Ein Teil der Lachse und Meerforellen hatte jedoch Hautabschürfungen, die vermutlich vom Versuch, unter der Wehrklappe hindurch zu schwimmen, herrühren.  Andere Fische zeigten Verletzungen, die wahrscheinlich von Fischernetzen stammten.

 

Meerforelle mit Wehr Verletzung

Die Stepenitz fließt durch das brandenburgische Städtchen Perleberg und mündet etwas unterhalb in die Elbe. Dieses Jahr konnten bis Mitte November bereits 28 Lachse und 172 Meerforellen gefangen werden. Ein Rekord, vergleicht man die Zahlen mit den durchschnittlichen Fängen der letzten 15 Jahre von 19 Lachsen und 59 Meerforellen im jeweils gesamten Jahr. Die Fische werden mit Floytags markiert, zur künstlichen Vermehrung in das Bruthaus des Fliegenfischervereins „Fario“ gebracht und anschließend wieder in die Stepenitz entlassen. 

 

 

     Meerforellen Milchner

Die guten Aufstiegszahlen werden auf die relativ hohen Abflüsse der Gewässer in diesem Jahr aufgrund des reichhaltigen Regens zurückgeführt.

Der Anteil an Lachs Rückkehrern aus natürlicher Vermehrung beträgt seit 2012 mindestens 21%, 79% sind auf die Besatzmaßnahmen aus künstlicher Vermehrung zurückzuführen.  Im langjährigen Mittel liegt der Anteil an Rückkehrern bezogen auf abwandernde Smolts bei 0,3-0,8%. Ein Anteil von 3% wird als notwendig zur Etablierung eines selbsttragenden Laichfischbestandes erachtet.

 

 

Das Projekt „Lachse in Brandenburg“  unter Federführung des Instituts für Binnenfischerei e.V. wird vom Landesfischereiverband Brandenburg als Fischereipächter und Träger der Besatzmaßnahmen organisatorisch-technisch unterstützt. Ziel des Projekts ist, die beiden Fischarten in stabilen, selbst reproduzierenden und fischereilich nutzbaren Populationen wiederanzusiedeln.

Eine Reihe von ungelösten Problemen steht diesem Ziel entgegen:

    • Mangelnde Durchgängigkeit der Wanderwege zwischen Meer und Laichplatz durch Wehre und Wasserkraftanlagen. Trotz Fortschritten sind einige Hindernisse noch mit keinerlei Fischwanderhilfen ausgestattet.
    • Gewässerstrecken mit Sauerstoffdefizit im Raum Hamburg
    • Fehlende kiesige Laichsubstrate durch Sedimenteintrag und Stauhaltungen
    • Prädatoren – fischfressende Vögel und Säugetiere, sowie Raubfische
    • Illegale Fischerei an Stauhaltungen
    • Entnahme von Laichfischen durch Netz-und Freizeitfischerei
    • Unklare Überlebensrate auf hoher See

 

Armin Weinbrenner  -  Wanderfische ohne Grenzen – NASF D e.V.