19.4.2017  Schreiben von Orri Vigfusson an Theresa May

NASF drängt Premierministerin zum Handeln für den Atlantischen Lachs

In einem Schreiben an Theresa May von diesem Monat drängt Orri Vigfusson in seiner Rolle als Vorsitzender des North Atlantic Salmon Fund (NASF) und als unermüdlicher Kämpfer für den wilden Atlantischen Lachs die britische Premierministerein, den Artikel 66 der "United Nations Convention on the Law of the Sea (UNCLOS)" einzuberufen. Dieser Artikel weist dem Staat, auf dessen Gebiet die Flüsse liegen aus denen Bestände von Wanderfischen stammen die Aufgabe zu, diese Populationen zu schützen.

Orri versucht damit, gefährdete Schottische Wildlachsbestände zu schützen, die durch eine umfangreiche kommerzielle Fischerei in den Küstengewässern im Nordosten Englands bedroht werden. Internationale Wissenschaftler warnen vor fischereilichen Aktivitäten, deren Ziel die "mixed stocks of Salmon", also wilde Atlantische Lachse aus den Beständen mehrerer verschiedener Flusssysteme sind und die sich auf der Wanderung zurück von der Hohen See zu ihren Laichgründen in Schottischen Flüssen befinden.

Orri Vigfusson schlägt als ersten und naheliegenden Schritt vor, die Lizenzen für englische Küstennetzfischerei mit sofortiger Wirkung auszusetzen. Ein erster Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, die England treffen kann, um die "Dinge in Ordnung zu bringen".

In einem weiteren Brief, informierte Orri gleichzeitig die Schottische Ministerin Nicola Sturgeon über sein Schreiben and die Premierministerin und betonte, dass der "International Council for the Exploration of the Sea (ICES)" einen Rückgang der gemeldeten Fänge von wilden Atlantischen Lachsen in Schottland von 96% innerhalb der letzten 50 Jahre verzeichnet. Die Schottische Fischereiwissenschaften und die angewandten Management Methoden wären nicht erfolgreich beim Versuch gewesen, die Wildlachspopulationen zu erhalten oder wieder aufzubauen.

Er schließt mit dem Angebot, zu jeder Zeit ein Treffen anzuberaumen, bei dem die NASF Experten ihre Vorschläge für eine effektive Strategie für Schottland und seine Wildlachsbestände im Detail erläutern könnten.

Bleibt zu hoffen, dass sie bereit sind zuzuhören, zum Nutzen der wilden Atlantischen Lachse und ihrem Überleben in diesem Teil der Welt.

12.03.2017

Bericht von der Tagung des Fachbeirates im September 2016

Das Europäische Telemetrie Netzwerk für Wasserlebewesen –

Dr. Jan Reubens Universität Gent/Belgien

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Frischer Wind aus Belgien!

Jan Reubens von der Universität Gent stellte das European Aquatic Animal Telemetry Network (EAATN) vor.

Der Leitgedanke des Fachbeiratstreffens in Siegburg war der grenzüberschreitende Austausch von Informationen zur Fischtelemetrie. Zur großen Überraschung von Teilnehmern und Veranstaltern wurde dieses Konzept in Belgien bereits in großen Teilen in die Tat umgesetzt. Dieser Ansatz ist für Wanderfische so wichtig, weil zumindest von den diadromen Wanderfischen (Wechsel zwischen Süßwasser und Salzwasser) bekannt ist, dass sie die eigentlichen Kerngebiete von Fischmonitorings auf ihren Wanderungen verlassen und zu ihren weiteren Wanderungen in der Regel kaum Daten vorliegen. Der Ansatz eines Europäischen Verbundes von Telemetriedaten wäre ein Quantensprung bei der Klärung von Fragen nach dem Wanderverhalten individueller Fische und der Faktoren, die darauf Einfluss nehmen.

Jan Reubens berichtete, dass man im belgischen Teil der Nordsee einen Verbund von Sendern installiert hat, der dafür gedacht ist, die Wanderungen von Dorschen zu verfolgen. Die Bestandsentwicklung der Dorschpopulation sollte auf diese Weise untersucht werden. Dabei stellte sich interessanterweise heraus, dass sich Dorsche rund um Offshore-Windkraftanlagen versammeln. Noch überraschender war die wissenschaftliche Erkenntnis, dass sich die Dorsche im Winter im Ästuar der Schelde aufhalten. Eine Tatsache, die laut Jan Reubens allerdings in Anglerkreisen schon länger bekannt war…

Im Salz- und Süßwasser in und um Belgien wurden 196 (!) akustische Horchstationen (engl. Acoustic Listening Stations –ALS) installiert, mit denen mittlerweile eine Vielzahl von Fischarten bei ihren Wanderbewegungen beobachtet werden können. Das EAATN kommuniziert außerdem mit der aus Kanada stammenden globalen Plattform „Ocean Tracking Network (OTN)“.

Derzeit basiert das Netzwerk auf Daten, die mit akustischer Telemetrie der Firma Vemco, Kanada, erzeugt wurden. Jan Reubens hob hervor, dass das Netzwerk jedoch offen sei für jegliche Telemetriedaten, auch aus anderen Projekten.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Aal beispielsweise, konnte vom niederländischen Teil des Dollarts (Emsmündung) bis in die Scheldemündung in Belgien (ca. 400 km) verfolgt werden. Ohne Vernetzung von Telemetrieprojekten wäre dieser Wanderweg, wie wohl die meisten anderen, verborgen geblieben.

Dieser Ansatz bietet vielen Wanderfischprojekten eine gute Möglichkeit, zusätzliche Informationen über die Wanderrouten der Fische, besonders außerhalb der jeweiligen Projektgebiete, zu erhalten.

Projekte, die an einer Kooperation mit dem EAATN interessiert sind, können mit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! direkt Kontakt aufnehmen.

Der komplette Vortrag ist hier zufinden.

Die Übersicht über alle Präsentationen des Fachbeirates finden sie hier.

02.03.2017

Bericht von der Tagung des Fachbeirates im September 2016

Wiederansiedlung und Erhalt von Wanderfischen durch den LFV-Weser-Ems e.V.

Dr. Jens Salva

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Dr. Jens Salva stellte zunächst mit einem Blick in die Vergangenheit den Bezug zu den aktuellen Aktivitäten her. Die historischen Fangzahlen von Lachsen in Weser und Ems sind Beleg der einst reichen Vorkommen dieser Fischart. In der Neuzeit wird seit 1978 an der Wiederansiedlung des Lachses gearbeitet. Ein Meilenstein zur Öffentlichkeitsarbeit war aus seiner Sicht der Bericht in der Ausgabe 35 / 2000 der Zeitschrift „Spiegel“ mit dem Titel „ Schöner als jedes Märchen“.

Jens Salva selbst ist seit seinem zwölften Lebensjahr (!) in die Wiederansiedlungsprojekte in Weser-Ems involviert. Neben intensiver Öffentlichkeitsarbeit ist ein großer Schwerpunkt die Verbesserung der Strukturdefizite der Gewässer sowie das Erreichen der linearen Durchgängigkeit. In jüngster Zeit sind die Gewässerentwicklungsmaßnahmen in enger Zusammenarbeit mit der Anglerschaft vor Ort zusätzlich intensiviert worden.

Die Wanderfischarten, mit denen gearbeitet wird, sind Lachs, Meerforelle und Nordseeschnäpel. Die Projektgewässer sind Delme, Hunte, Ems, Hase, Leda und Jümme mit ihren Nebengewässern.

 Die Besatzprogramme werden durch verschiedene Arten des Monitorings begleitet. Rückkehrer werden mittels Elektrofischerei gefangen und mit PIT-Tags versehen und registriert. Außerdem wurde auch das Unterwassersonar „Didson“ benutzt, um Fischbewegungen vor Fischpasseinstiegen zu beobachten. Weiterhin wurde an der Ems der Versuch unternommen, Lachssmolts mittels schwimmenden Käfigs, vorbei an den Netzhamen im Mündungsbereich, in das Wattenmeer zu begleiten.

Als Probleme nannte Jens Salva vor allem: zu schmale Gewässerrandstreifen, Viehtritt an Uferböschungen, immer noch zu harte Gewässerunterhaltung und fehlende lineare Durchgängigkeit der Fließgewässer.

Sehr intensive und erfreuliche Arbeit wird bei der naturnahen Gestaltung von Gewässern geleistet. Um den Sandtrieb einzustellen, wird so oft wie möglich versucht, die Aue wieder in das Fliessgewässergeschehen mit einzubeziehen und die immer noch vorherrschenden Trapezprofile zu entfernen. Auf diese Weise sind punktuell sehr schöne kiesige naturnahe Gewässerabschnitte entstanden. Diese Aktivitäten müssten laut Jens Salva flächendeckend und nicht nur punktuell in Angriff genommen werden. Das Umsetzungstempo der EU-Wasserrahmenrichtlinie wird als deutlich zu langsam eingeschätzt.

Der komplette Vortrag ist hier zufinden.

Die Übersicht über alle Präsentationen des Fachbeirates finden sie hier.

 

01.03.2017

Der Bericht zur Lachssaison in Sachsen 2016 ist aktuell verfügbar...

...unter: 

https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/download/Bericht_ueber_den_Verlauf_der_Lachssaison_2016.pdf  

04.01.2017

Report aus der Zeitschrift "Fliegenfischen 6/2016" - zur Lachs-Situation in Norwegen - von Manfred Raguse

Mit offenen Augen in den Untergang!

 Lachs verletzt Meerlaeuse Klein
Foto aus dem Beitrag der Zeitschrift 'Fliegenfischen 6/2016'

In der Ausgabe 6/2016 der Zeitschrift "Fliegenfischen" ist ein Artikel zum Thema Bedrohung der Wildlachsbestände durch Lachsfarmen in Norwegen erschienen. Der Inhalt ist für Lachsschützer und Verbraucher gleichermaßen wichtig.

Die "Fliegenfischen" war so freundlich uns die Veröffentlichung des Artikels zu gestatten. Aus diesem Grunde finden Sie hier das brisante Vorwort von Chefredakteur Michael Werner so wie den eigentlichen Artikel von Manfred Raguse.