Der Atlantische Lachs (Salmo salar) ist der größte Vertreter und Namensgeber einer Gruppe von Fischen, den Salmoniden, zu denen auch unsere heimische Bachforelle gehört.
Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht in Europa vom Norden Portugals bis zur Halbinsel Kola im Norden Russlands. In Nordamerika vom Bundesstaat New York bis ins nördliche Kanada, sowie Grönland, Island und die Faröer Inseln. Er besiedelte damit den gesamten Nordatlantischen Raum.
Deutschland liegt also im Zentrum seines europäischen Verbreitungsgebietes. Noch vor hundert Jahren war der Lachs in den meisten deutschen Flüssen zu Hause und der Rhein war weltweit der Fluss mit den reichhaltigsten Vorkommen des Atlantischen Lachses.
Der Rheinlachs zeichnete sich neben den hohen Stückzahlen durch seine besondere Größe der einzelnen Tiere aus.
Der wissenschaftliche Name „salmo salar“ bedeutet der springende Salm. Für unsere Vorfahren war es nichts Ungewöhnliches, diese großen und prächtigen Fische in deutschen Flüssen springen zu sehen.
© Stefan LudwigDer Lachs ist ein Vertreter der Langdistanz Wanderfische. Er wird in sauerstoffreichen Bächen geboren und verbringt dort seine ersten Wochen geschützt zwischen den von klarem Wasser durchströmten Kieselsteinen.
Nach ein bis zwei Jahren im Süßwasser verwandelt er sich und wird zum Smolt.
Er nimmt die typische Silberfarbe an und begibt sich auf eine lange Reise durch die Flüsse ins Meer.
Im Nordatlantik vor Grönland, rund um Faröer und Island verbringt der heranwachsende Lachs ein, zwei oder mehr Jahre und ernährt sich von Krill und Kleinfischen. Wohlgenährt, mit ausreichenden Fettreserven ausgestattet, begibt er sich auf den Weg zurück an seinen Geburtsort, wo er sich paart und einer neuen Generation von jungen Lachsen das Leben schenkt.
Die meisten der Elterntiere sterben, nachdem sie abgelaicht haben. Nur wenige schaffen es, ein zweites oder gar drittes Mal die lange gefährliche Reise in den Nordatlantik anzutreten.
Der Lachs ist aufgrund seines Körperbaus besonders gut in der Lage, gegen starke Strömungen anschwimmen. Auf seiner Wanderung orientiert er sich an der Hauptströmung im Fluss. Wasserkraftanlagen stellen damit für Lachse ein besonders gefährliches Hindernis dar.
Geschichte
Historische Bestände in Deutschland
Noch vor 100 Jahren gab es in den meisten deutschen Flüssen sehr große Zahlen von Lachsen. Jedes Jahr stiegen sie auf, um auf den kiesigen Gründen der Bäche und Flüsse ihre Eier abzulegen.
Die Menschen dieser Zeit konnten große Zahlen von Lachsen zum Verzehr entnehmen, ohne die Nachhaltigkeit des Bestandes zu gefährden.
In der Wanderfisch-Internet-Datenbank können Sie historische Einzelnachweise abrufen, die einen Eindruck vermitteln, wie reichhaltig die Bestände damals waren.
In der Fulda bei Kassel beispielsweise konnte ein Fischer am 5.Juni 1443 mit einem einzigen Netzzug 798 Lachse erbeuten.
Allein auf dem Fischmarkt in Rotterdam wurden Ende des 19. Jahrhunderts jedes Jahr zwischen 40.000 und 80.000 Rheinlachse verkauft.
Der Lachs war ausgestorben!
Seit ungefähr 1950 war der Lachs in Deutschland ausgestorben!
Gewässerverschmutzung und Gewässerverbauung haben den stolzen Fisch zur Strecke gebracht.
Von ehemals üppigen Beständen und wilden Flüssen blieben nach einigen Jahrzehnten menschlichen Wirkens vielfach nur noch fischleere, betonierte Kloaken übrig.
Der „König der Fische“ und sein Gefolge aus vielen kleinen und großen Wasserlebewesen sind stumm gestorben und einfach verschwunden.
Delikatesse
Der Lachs als Nahrungsmittel und Delikatesse
Seit jeher hatte der Lachs herausragende Bedeutung für die Ernährung der Menschen in Mitteleuropa.
Geologisch bedingt ist das Zentrum Mitteleuropas ein Jodmangelgebiet. Nur durch Wanderfische, allen voran Lachs und Meerforelle, konnten die Menschen dieser Zeit ihren Bedarf durch das jodhaltige Fleisch dieser wohlschmeckenden Fische decken und die bekannten Jod – Mangelerscheinungen wie Kropfbildung und Stoffwechselstörungen bis hin zur geistigen Behinderung vermeiden.
So ist es nicht vermessen zu behaupten, dass dem Lachs für die Entwicklung des Menschen und der menschlichen Zivilisation in Zentraleuropa eine Schlüsselstellung zukommt.
In heutiger Zeit gibt es diese Notwendigkeit nicht mehr und der Lachs stellt in der Ernährung des Menschen eine Delikatesse dar.
Die Mast von Zuchtlachsen in großem Stil hat die Preise sinken lassen und für viele Menschen ist es alltäglich geworden, Zuchtlachs zu verzehren.
Gleichzeitig ist der echte Wildlachs aufgrund der zurückgehenden Bestände fast nicht mehr verfügbar.
Die Qualität des Fleisches eines Zuchtlachses ist jedoch mit der des Wildlachses nicht vergleichbar.
Sie unterscheiden sich in Fettgehalt, Fettsäuren Zusammensetzung und Geschmack.
Die Lachslaus ist eine natürlich vorkommender Parasit des Lachses. In der engen Käfighaltung vermehren sich diese Parasiten sehr gut. Wilde Lachse, die auf ihrer Wanderung in den Nordatlantik die Zuchtanlagen passieren, infizieren sich ungewöhnlich stark mit diesen Parasiten, da sie in der Nähe der Netzkäfige in besonders hoher Dichte vorkommen.
Die Zucht von Lachsen in Netzgehegen im offenen Meer bedroht die natürlichen Lachsbestände auch dadurch, dass Lachse, die aus Netzgehegen entkommen, am Laichgeschehen teilnehmen. Deren Nachkommen sind jedoch weit weniger fit und für die Herausforderung einer langen Wanderung in den Nordatlantik nicht gerüstet.
Wildlachsbestände in Deutschland, die historische Dimensionen erreichen, ließen sich nachhaltig als Quelle einer der feinsten kulinarischen Delikatessen nutzen.
Hoffnung
Seit wenigen Jahrzehnten ist die Wasserqualität in deutschen Gewässern wieder besser geworden.
Der Bau von Kläranlagen und die Vermeidung industrieller Abwasserbelastung haben die Möglichkeit geschaffen, unsere Flüsse wieder mit ehemals verschwundenen Arten zu besiedeln.
Die Verbauung der Flüsse durch Wehre, Stauanlagen, Wasserkraftwerken und Begradigung ist jedoch nach wie vor ein großes Problem für einen nachhaltigen Erfolg der Bemühungen.
